| . |
Das Wort “Modell” ist abgeleitet von der Verkleinerungsform des lateinischen Wortes “modus”, nämlich modulus, was soviel wie Massstab oder Art und Weise bedeutet. Die Definitionen des Begriffes “Modell” stimmen darin überein, daß sie als Gegenbegriff den des “Originals” enthalten: Modelle sind vereinfachte Abbildungen von Originalen. Sie repräsentieren somit gedankliche und materielle Realität. Als Grundlage aller Modelle können die Modellvorstellungen angesehen werden, die wir uns aus denkökonomischen Gründen machen: “So behilft sich das menschliche Bewusstsein damit, Teilbereiche der Wirklichkeit durch Denkmodelle abzubilden, um wenigstens in Teilbereichen erfolgreich denken zu können” (Steinbuch 1977).
Der Prozess der Modellierung setzt stets einen Theoriebezug voraus. Ausgehend von gegenständlicher Realität (Originale) verläuft er über die gedankliche Realität (Denkmodelle) zu gegen-ständlichen Modellen (An-schauungsmodellen). Während Originale (wie alle anderen Gegenstände) unendlich viele Eigenschaften haben, bilden Denkmodelle nur diejenigen Eigenschaften ab, die als wesentlich erscheinen. Welche Eigenschaften als wesentlich betrachtet werden, entscheiden die Annahmen (Theorien, Hypothesen), nach denen die originale Wirklichkeit gedeutet wird und die Denkmodelle gebildet werden. Wird ein Denkmodell in ein Anschauungsmodell umgesetzt, so hat dieses als Gegenstand wiederum unendlich viele Eigenschaften. Neben den im Sinne der Modellierung wesentlichen hat es immer auch unwesentliche Eigenschaften, das sogenannte Beiwerk. Modelle sind also niemals Kopien der Originale; ihre Eigenschaften sind nicht mit denen der Originale identisch; sie sind vielmehr theoriebezogene Abbilder von Originalen. Originale und Modelle können sich hinsichtlich des Substrats (Aufbau aus anderen chemischen Stoffen), der Dimension (Verkleinerung, Vergrößerung) und der Abstraktion (Anzahl wesentlicher Eigenschaften) unterscheiden.
|