 |
Leitlinien für problemorientierte Lehrveranstaltungen:
In multiplen Kontexten lernen
|
|
|
Zitat REINMANN-ROTHMEIER/MANDL: Leitlinie 2 für problemorientierten Unterricht
"Um zu verhindern, dass neu erworbene Kenntnisse oder Fertigkeiten auf eine bestimmte Situation fixiert bleiben, sollten dieselben Inhalte in mehreren verschiedenen Kontexten gelernt werden.
Die Lernumgebung ist daher so zu gestalten, dass das Gelernte auch auf andere Problemstellungen übertragen werden kann.
Der Vorteil: Multiple Kontexte sichern eine gute Nutzung des Gelernten."
|
|
Ausgangspunkt:
dieselben Lerninhalte in verschiedenen Anwendungssituationen/ Problemstellungen erproben
|
- Bsp. 1: Qualitätsuntersuchung von Fliessgewässern (mikrobiologische Parameter) --> die dabei erlernten Methoden der Nachweise von Hygieneindikatoren lassen sich auch auf andere hygienische Problemstellungen übertragen
Transfersituation: z.B. Untersuchung der Hygiene in der Küche, bei der Nahrungsmittelzubereitung, in der Küche eines Klassenlagers, bei verschiedenen Reinigungsverfahren von Oberflächen.
- Bsp. 2: Untersuchung der Auswirkung verschiedener Reinigungsverfahren auf die Hygiene von Oberflächen (mikrobiologische Abklatschversuche nach verschiedenen Reinigungsprozeduren)
Transfersituation: siehe Bsp. 1; weitere Transfers: z.B. Wirkung von Seifen und Desinfektionsmitteln auf die Haut des Menschen, persönliche Hygiene.
- Bsp. 3: Bestimmung von physiologischen Aktivitäten von Organismen (Pflanze, Mensch/(Tier), Mikroorganismen): z.B. Versuche zur Atmung (Sauerstoff-Aufnahme, Kohlenstoffdioxid-Abgabe) am Bsp. Pflanzen
Transfersituation: gleiche Versuchsmethodik auf Menschen übertragen, erhaltene Ergebnisse mit Lehrbuchwerten vergleichen.
- Bsp. 4: Genetik: Mendelgesetze, Erbsen und Mensch
Untersuchung der Gesetzmässigkeiten der Vererbung einfacher Merkmale bei Pflanzen
Transfersituation: Gelten diese einfachen Gesetzmässigkeiten z.B. auch bei Tieren oder "sogar" beim Menschen? Welche menschlichen Merkmale "mendeln", welche (warum) nicht?
|
|
Lernumgebung
|
Bsp. 1: Fliessgewässerhygiene --> andere Lebensbereiche
Transfer. Bestimmung von Hygieneparametern (siehe Leitlinie 1/Bsp. 1) in anderen Umgebungen
Ausrüstung: mikrobielle Laborgrundausrüstung wie in Leitlinie 1/Bsp. 1. Vergleich mit offiziellen Daten (z.B. Lebensmittelgesetzgebung), Auswertung mittels Schlussbericht.
Bsp. 2: Hygiene --> andere Lebensbereiche
Transfer: Bestimmung von Keimzahlen/Indikatorbakterien u.ä. (siehe Leitlinie 1/Bsp. 2) auf anderen Oberflächen (z.B. menschliche Haut).
Ausrüstung: mikrobielle Laborgrundausrüstung wie in Leitlinie 1/Bsp. 2; verschiedene Hygienemittel (z.B. Seifen, Duschgels, Desinfektionsmittel). Lehrmittel/Richtlinien zur menschlichen Hygiene.
Bsp. 3: Atmungsaktivitäten Pflanze ---> Mensch (--> Mikroorganismen)
Transfer: Bestimmung der CO2-Produktion an Pflanzen auch mit menschlicher Ausatemluft austesten; O2-Verzehr in geschlossenem Versuchssystem mit Pflanzen auch am Menschen durch Vergleich von Frisch- und Ausatemluft erfassen.
Ausrüstung: CO2-Produktion mittels gesättigter Calciumhyroxidlösung ("Kalkwasser") bestimmen; O2-Verzehr mittels Kerztentest (qualitativ), Dräger-Gasspürröhrchen oder Sauerstoffsonde (quantitativ) erfassen. Dito auch mit Mikroorganismen und Tiere möglich.
Bsp. 4: Genetik, Mendel, Erbsen ---> Mensch
Transfer: Kennenlernen und Erarbeiten der 3 Mendelschen Grundgesetze (Uniformitätsregel, Spaltungsregel, Unabhängigkeitsregel) an den klassischen Versuchsobjekten (Erbse, evtl. Taufliege [Drosophila melanogaster]. Buch- und Internetrecherchen zur Frage: "Haben nun diese 3 Mendelschen Gesetze auch beim Menschen Gültigkeit? [Beispiele, Ausnahmen, Erweiterung der Vererbungsgesetzmässigkeiten (z.B. Durchbrechung der Genkopplung)].
Ausrüstung: Bibliothek mit Genetik- und Humangenetikliteratur, Multimediale Lehrwerke zur Genetik, Internetzugang für Recherchen, evtl. Interview/Referat mit Humangenetiker.
|
|
|
Literatur:
REINMANN-ROTHMEIER, G., MANDL, H.: Unterrichten und Lernumgebungen gestalten. - In: KRAPP, A., WEIDENMANN, B. (Hrsg.): Pädagogische Psychologie. BELTZ/VPU, Weinheim, 4. Aufl. (2001)
17.05.2002
|
|
|