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AfU [Amt für Umweltschutz des Kantons St. Gallen]-
Studie zu Organschädigungen bei Fischen im St. Galler Rheintal
Der idyllische Mühlbach ist kein ideales Fischgewässer mehr ....
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Foto: J. Gadient]

.... und die Geschichte geht weiter ........
Der Aufstand der Fischer
[Foto: J. Gadient]

Am GLOBE-CH Ausbildungskurs 2000 an der PHS (Pädagogischen Hochschule St. Gallen) hielt Herr Michael Eugster vom AfU am 11.08.2000 einen spannenden Vortrag zum Thema: "Gesundheitszustand der Fische im Rheintal: Ausgangslage - Untersuchungen - bisherige Ergebnisse". Erst jetzt sind die Ergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden.

Amt für Umweltschutz des Kt. SG veröffentlicht Ergebnisse (07.09.2000):
Wasserqualität von Bach- und Flusswasser führt zu Organschädigungen bei Forellen im Rheintal
Die Fischer sagen es schon lange, nun ist es experimentell nachgewiesen: Die Ursachen für die Organschädigungen bei Fischen im Rheintal sind in der Qualität des Bach- und Flusswassers zu suchen. Versuchsobjekt war der Mühlbach in der Gemeinde Wartau.


Die Untersuchungen im Alpenrheintal
Die Bachforelle könne in den Gewässern im Rheintal nicht mehr überleben, weil es um die Wasserqualität schlecht bestellt sei. Diese Aussage machten Vertreter der regionalen Fischereivereine vor ziemlich genau drei Jahren. Sie kritisierten damals eine Studie, in der die Regenbogenforelle mitverantwortlich für den dramatischen Rückgang der einheimischen Bachforelle gemacht wurde. Die Studie hatte die Bedeutung der Wasserqualität eher marginal eingestuft.
Umfangreiche Untersuchungen unter der Projektleitung des kantonalen Amtes für Umweltschutz (AfU) geben nun den Fischern recht.
Die Ursachen für die Organschädigungen bei Fischen im Rheintal sind in der Qualität des Bach- und Flusswassers zu suchen. Dies konnte nun experimentell nachgewiesen werden?.


Deutliche Veränderungen an Nieren und Leber
Die Erkenntnisse hat das AfU nach umfangreichen Versuchen am Mühlbach in der Gemeinde Wartau gewonnen. Unterhalb der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Wartau wurde dem Mühlbach Wasser entnommen und in Fischtröge gefüllt. Die Fischorgane wurden darauf am Zentrum für Fisch- und Wildtiermedizin an der Universität Bern untersucht. Dort wurden deutliche Organveränderungen an Nieren und Leber festgestellt. Hauptsächlich war die Leber betroffen. Eine weitere Untersuchung am Euregio Ökotoxikologie-Service-Labor an der Universität Konstanz brachte eine Schwächung des Immunsystems zu Tage.


Gereinigtes Abwasser nicht Voraussetzung für Organschädigungen
Ebenfalls untersucht wurden Organproben von Fischen aus Gewässern, die kein gereinigtes Abwasser aus Kläranlagen mit sich führen. Das Ergebnis war dasselbe wie beim Mühlbach. Damit wird die bisherige Annahme widerlegt, Probleme mit dem Gesundheitszustand der Fische würden nur in Gewässern auftreten, die auch gereinigtes Abwasser enthalten, schreibt das AfU dazu.
Unter exakt denselben Bedingungen wie in den mit Mühlbach-Wasser gefüllten Trögen wurden Fische in Trink- und Grundwasser aus der Region Wartau gehalten. Die Fische im Trinkwassertrog wiesen keine auffälligen Organveränderungen auf, und auch das Immunsystem wurde nicht geschwächt. Das AfU schliesst daraus, dass die Ursachen für die Organveränderungen eindeutig der Wasserqualität zu suchen sind. Spezialisten der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA) in St, Gallen nahmen das Wasser im Auslauf von Kläranlagen unter die Lupe. Dort konnten
Stoffe nachgewiesen werden, die eine schädliche Wirkung auf einfache Organismen wie Bakterien haben. Diese Metabolite ("Folgestoffe" ) entstehen in Kläranlagen durch den teilweisen biologischen Abbau von bestimmten Tensiden, wie sie vor allem in Duschmitteln, Shampoos, Geschirrwaschmitteln usw. enthalten sind. Gemäss AfU ist die ökotoxische Wirkung solcher Metabolite noch weitgehend unbekannt, mit ergänzenden Untersuchungen soll nun ihre Wirkung auf höhere Organismen ermittelt werden.


Auch robustere Regenbachforellen betroffen
Welche Umwelteinflüsse zu Organschädigungen bei Fischen in Gewässern führen, in denen kein gereinigtes Abwasser fliesst, ist unklar. Michael Eugster, AfU-Mitarbeiter und Leiter des Projektes, nannte auf Anfrage die Landwirtschaft als eine mögliche Quelle, ohne diese aber explizit dafür verantwortlich machen zu wollen. Jedenfalls bestätigen auch Fischer, dass Bachforellen bald nur noch in alpinen Gewässern vorkommen, im bewirtschafteten Talgebiet verschwinden sie.
Mit dem vorliegenden Forschungsergebnis wird wohl die Diskussion um die gegenüber Umwelteinflüssen als resistenter geltende Regenbogenforelle neu aufflammen. Wie Eugster aber betonte, wurden im Rahmen der Versuche nebst der Bachforelle weitere Fischarten aus Fliessgewässern untersucht. Darunter seien auch Regenbachforellen gewesen, welche ebenfalls Organschädigungen aufgewiesen hätten. Gemäss Eugster muss die
Suche nach für die Schädigungen verantwortlichen Stoffe im Rahmen des gesamtschweizerischen Projektes "Fischnetz" fortgesetzt werden.


Das Thema Wasser ist also nach wie vor aktuell und wird weiterhin ein wichtiges Thema für den Schulunterricht bleiben. GLOBE bietet einen idealen Einstieg in die Gesamtthematik rund ums Wasser. Wie ist jeder von uns mit scheinbar banalen alltäglichen Handlungen (Duschen, Waschen, etc.) an heutigen oder künftigen Umweltproblemen beteiligt? Ein alte Ökologieweisheit hält fest: "Alles ist mit allem verknüpft" .... und alles, was wir in grossem Stil unserer Erde antun, wird irgendwann einmal auch wieder auf uns Menschen zurückfallen.


Weitere Informationen unter www.fischnetz.ch

(Quelle: W&O, Nr. 175, 8.9.2000, S. 1; Medienmitteilung AfU, 6.9.2000).

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