GLOBE
Global Learning and Observation to Benefit the Environment

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Die Pädagogische Hochschule St. Gallen
(PHS) 1998 - 2001

  • bildet Lehrkräfte aller Stufen (Primar-, Sekundar- und Gymnasialstufe) für das GLOBE-Projekt aus
  • organisiert stufenangepasste Ausbildungskurse in allen GLOBE-Kernthemen: Atmosphäre/Klima, Wasser, Vegetation und Boden
  • berät Lehrkräfte in methodischen und wissenschaftlichen Fragen
  • leiht GLOBE-Materialien und Lehrmittel aus
  • verbessert die Versuchsanleitungen und entwickelt für die Schweiz eigene ergänzende Versuche
  • pflegt Kontakte zur Wissenschaft und organisiert wissenschaftliche Exkursionen und Tagungen


Die PHS und die GLOBE-Aktivitäten
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Die PHS-Aktivitäten rund um GLOBE 1998/99

Aus dem Bericht des Rektors über das Studienjahr 1998/1999, August 1999, 19. Jahrgang


GLOBE-Projekt

Alfred Noser, Kurt Frischknecht

Die Pädagogische Hochschule hat eine ehrenvolle Aufgabe erhalten. Prof. Dr. Kurt Frischknecht wurde vom BUWAL (Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft) beauftragt, in Zusammenarbeit mit zwei Landeskoordinatoren die Gesamtleitung der Ausbildung im Rahmen des Umwelt-Internet-Schulprojekts GLOBE für die Schweiz zu übernehmen. Ihm obliegt es, die Ausbildung der GLOBE-Lehrkräfte zu organisieren und die GLOBE-Idee national und international weiterzuentwickeln.


Was ist GLOBE? ,
Am GLOBE-Programm beteiligen sich über 80 Länder. Der pädagogische Hintergrund ist bemerkenswert: Es besteht ein Kommunikationsnetz von rund 7'000 Schulen weltweit.
GLOBI: (Global Learning and Observations to Benefit the Environment) geht auf eine Initiative des amerkanischen Vizepräsidenten Al Gore von 1994 zurück. Es ist ein weltweites Schul- und Umweltprojekt, das in enger Zusammenarbeit zwischen gleichberechtigten Partnern, nämlich Schülern und Schülerinnen, Lehrkräften und Wissenschaftlern, durch langfristiges Beobachten und Messen wichtiger Umweltfaktoren unser "System Erde" besser verstehen will. Schülerteams erfassen regelmässig nach genauen Vorschriften umwelttrelevante Daten im Umfeld ihrer Schule. Diese werden via Internet in eine internationale Datenbank eingegeben, ausgewertet, zusammengefasst, mit Messdaten aus anderen Quellen kombiniert und zu Grafiken aufbereitet. Diese Informationen können von allen Interessierten weltweit über World-Wide-Web abgerufen und für unterrichtliche und wissenschaftliche Zwecke verwendet werden.

Der primäre Nutzen des GLOBE-Programms liegt in drei Bereichen:

  • Bildung: Förderung der Sach-, Sozial- und Selbstkompetenz/ Horizonterweiterung durch Teilnahme an einem internationalen wissenschaftlichen Projekt
  • Umwelt: Vertiefung eines Umweltbewusstseins, das auf konkrete Massnahmen ausgerichtet ist, die auf wissenschaftlich abgestützten und fundierten Kenntnissen beruhen
  • Wissenschaft: Erhebung eines riesigen Datenmaterials durch ein weltweites Netzwerk von Umweltbeobachtungspunkten in Schulen und Hochschulen/ Zugriff auf ein in dieser Form einmaliges naturwissenschaftliches Datenmaterial.

Über das eigentliche Messprogramm hinaus bietet GLOBE die Infrastruktur für lokale, regionale und internationale Initiativen und Projekte mit pädagogischem, naturwissenschaftlichem. umweltorientiertem oder anderem Inhalt an.

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Herzlichen Dank
Als Kommunikationsplattform für alle Beteiligten dient das Internet. In diesem Zusammenhang erwähnen wir gerne, dass die Metrohm - Stiftung in Herisau die Pädagogische Hochschule zur Erfüllung des anspruchsvollen GLOBE-Projektes beim Kauf eines internetfähigen Notebook-Beamer-Systems finanziell unterstützte. Damit eröffnen sich dem Projekt und den Naturwissenschaften an der PHS neue Möglichkeiten im empirischen und wissenschaftlichen Bereich. Die Pädagogische Hochschule St.Gallen dankt an dieser Stelle der Metrohrn - Stiftung ganz herzlich.
Beobachten - Messen - Daten erfassen: Schüler wie Lehrkräfte (Foto: K. Frischknecht)

Welches sind die Schwerpunkte des Messprogramms ?
Den Zustand der Umwelt mit einigen wenigen Parametern erfassen zu wollen, ist wohl gewagt. Dennoch können die in einmaliger räumlicher und zeitlicher Dichte gelieferten Messdaten aus allen Teilen der Welt in verschiedenen Bereichen wertvolle Informationen über die lokale, regionale und globale Umweltsituation liefern.
Gemessen werden je nach Möglichkeiten der beteiligten Schulen Faktoren aus den Bereichen Klima/Wetter und Luft, Boden, Wasser und Vegetation. Das Spektrum der Messparameter kann erweitert werden.

Klima: Wolkendichte, Wolkentypen, Lufttemperatur (Min/Max, aktuelle Werte), Niederschläge, pH-Wert der Niederschläge
Boden: Bodenstruktur, Bodenfarbe, Bodenfestigkeit, Bodentextur, Kalkgehalt, Bodendichte, Partikelgrössenverteilung, Boden-pH-Wert, Bodenfruchtbarkeit, Bodenfeuchtigkeit, Bodentemperatur, Bodendurchlässigkeit
Wasser: pH-Wert, Temperatur, Sauerstoffgehalt, Sichttiefe, Leitfähigkeit, Nitratgehalt
Vegetation: Landbedeckung, Artenbestimmung, Biomasse, Biornetrie (Baumumfang, Baumhöhe, Kronendichte), jahreszeitliche Beobachtungen
Die Schulen wählen ihre Schwerpunkte selber aus. Die Messprogramme sind den Stufen angepasst.

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Was bringt GLOBE der Schule von heute?
Unsere in starkem Wandel begriffenen Schulen und die unter neuen Vorzeichen geschaffenen Lehrpläne, welche die Bildung schwerpunktmässig auf die Förderung von Sach-, Selbst- und Sozialkompetenzen ausrichten, erfordern neue Unterrichtsformen und ein Umdenken der Didaktik im Dienst der Bildung, wie Hartmut von Hentig (1996) es formuliert.
GLOBE wird manchen dieser neuen pädagogischen Anforderungen gerecht. Es ermöglicht:
1. Projekt- und themenorientiert zu arbeiten
2. Interdisziplinär zu arbeiten
3. Die Wahrnehmungsfähigkeit zu erweitern
4. Naturwissenschaftliche Denk- und Arbeitsweisen einzuüben
5. An wichtigen Kommunikationsformen teilzunehmen
6. Handlungsorientiert zu arbeiten
7. Globale Aspekte einzubeziehen

In all diesen Bereichen stellt GLOBE den Situationsbezug her, der sich stark an den Interessen und Bedürfnissen der Beteiligten orientiert. Gemeinsam und selbstverantwortlich organisieren sich die Teams zu den im Messbereich anstehenden Arbeiten und machen sich sachkundig. Die Daten werden im Unterricht in einen grösseren inhaltlichen Kontext gestellt. Dadurch werden Wissenschaftler, Lehrkräfte, Studierende und Schülerinnen und Schüler für ökologische Fragen sensibilisiert.

Die Kommunikationsmöglichkeiten in GLOBE erschöpfen sich nicht in Dateneingabe und Datenaustausch via Internet. Es ist z.B. möglich, mit ganz konkreten Fragen an andere beteiligte Schulen irgendwo in der Welt zu gelangen und dadurch vielleicht präzisere und sicher persönlichere Antworten zu erhalten als bei einer zeitaufwendigen Stichwortsuche über die lnternetsuchdienste. Dieser themenbezogene Kontakt wird auch gepflegt in den regelmässig durchgeführten Diskussionsforen zu bestimmten Aspekten, an denen auch Wissenschaftler teilnehmen.

Im Zuge der schweizerischen Bemühungen "Schulen ans Netz" bietet GLOBE mit weltweit über 7'000 angeschlossenen Schulen eine ideale Plattform, um in einem pädagogisch fundierten Konzept verschiedene unumgängliche Fertigkeiten des Informationszeitalters wie Recherchieren, Fragen, Erörtern, Interviewen, Argumentieren, Zusammenfassen stufengerecht einüben zu können.

Die unausweichliche Bildung für die Informationsgesellschaft ist auch eine Bildung für nachhaltige Entwicklung. GLOBE bietet eine Chance, die auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Umweltbildung mit der auch auf die Zukunft orientierten "Informationsbildung" in einer optimalen Synthese zu vereinen. Hier möchte die Schweiz zusammen mit anderen europäischen Staaten einen besonderen Schwerpunkt setzen.

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Wie wird man GLOBE-Schule?
Schulen; die am GLOBE-Programm mitmachen möchten, sollten sich für Umweltfragen interessieren und bereit sein, sich dafür auch zu engagieren. Ein Internetanschluss ist erforderlich. Voraussetzung zur Teilnahme und Nutzung der GLOBE-Datenbank ist ein 3-tägiger Einführungskurs. Wünschbar wären Schulteams von mindestens zwei Lehrkräften.
15 Pilotschulen aus den Kantonen BE, BS, SG, TG und VD sammeln ab Schuljahresbeginn 1998/99 erste Erfahrungen. Die entsprechenden Lehrkräfte haben sich am 5. und 6. Juni in einem Einführungskurs an der Pädagogischen Hochschule in St.Gallen in GLOBE eingearbeitet. Weitere Kurse werden zu einem späteren Zeitpunkt angeboten für Lehrkräfte, die sich ab Schuljahr 1999/2000 am GLOBE-Programm beteiligen möchten.

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Wie lässt sich GLOBE mit dem Gedanken der Nachhaltigkeit verhindert?
In der Agenda 21 von Rio ist der Weg zu einer global nachhaltigen Entwicklung als Ziel definiert. Nachhaltig bedeutet gleiche Lebensansprüche für alle Menschen, auch für zukünftige Generationen. Es bedeutet weiter, dass nicht mehr Rohstoffe verbraucht werden als auch nachwachsen können und dass die Tragfähigkeit der Ökosysteme nicht überschritten werden soll. In den Industrieländern hätte die Einhaltung dieses Konzeptes einschneidende Konsequenzen für das Leben und Wirtschaften, für Politik und Bildung. Übernutzungen von Ressourcen zu erkennen und als Themen im interdisziplinären Bereich anzusprechen, ist eine der Ausbaumöglichkeiten des GLOBE-Programms. Aus der Kerndatenerfassung für GLOBE lassen sich verschiedene Themenbereiche ausmachen, die sich für Umweltaktivitäten an Schulen im Rahmen der lokalen Agenda 21 eignen:

- Klima/ Energie
- Landwirtschaft, Ernährung, Weltbevölkerung
- Wasser, Gewässer, Abwasser
- Mobilität, Verkehr, Tourismus


GLOBE gibt Wissenschaftlern, Lehrkräften, Studierenden, Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, die von ihnen gewählte Thematik in einen globalen Zusammenhang zu stellen und damit globales Lernen zu fördern. Durch die persönliche Kommunikation mit Menschen aus anderen Kulturen gewinnen die Schweizer Jugendlichen Erkenntnisse darüber, wie andere Menschen in ihren Gesellschaften die Umwelt wahrnehmen und welche Lebens- und Denkstile in anderen Kulturen gepflegt werden. Ernährungsprobleme in Tschad werden sicher unter anderen Gesichtspunkten interpretiert als in der Schweiz, Verkehrsprobleme in den Niederlanden nicht gleich wie in den USA, Wasserqualität in Bolivien anders als in Osterreich. Durch einen Austausch von Meinungen und durch Spiegeln von eigenen Aktivitäten und Verhaltensweisen können Lebensstil und Ansprüche reflektiert werden. Studierende, Schülerinnen und Schüler werden auf diese Weise hingeführt zu persönlichem Urteilen und zum Handeln in den von ihnen beeinflussbaren Bereichen.

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Internet-Adressen:
http://www.globe-swiss.ch
http://www.globe.gov

...weltweite Datenkommunikation (Foto: K. Frischknecht)
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Anfrage/Anregungen:
Kurt.Frischknecht@unisg.ch

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Die PHS-Aktivitäten rund um GLOBE 1999/00

Aus dem Bericht des Rektors über das Studienjahr 1999/2000, August 2000, 20. Jahrgang


GLOBE-Projekt

Kurt Frischknecht

Die Pädagogische Hochschule St. Gallen betreut seit dem Herbst 1998 im Auftrag vom BUWAL (Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft) die Ausbildung, Beratung und Weiterentwicklung des Umwelt-Internet-Schulprojekts GLOBE (Global Learning and Observations to Benefit the Environment) für die deutschsprachige Schweiz. Wie bereits im letztjährigen Bericht des Rektors über das Studienjahr 1998/1999 ausführlich dargestellt, vernetzt GLOBE bis heute bereits 8000 Schulen in über 85 Ländern aus allen Kontinenten über das Internet. Das Programm verknüpft Bildung, Informationstechnologie und Forschung im Bereich Umwelt.


Die GLOBE-Idee
GLOBE-Themen sind Atmosphäre/Klima, Wasser, Boden und Vegetation. Schüler und Schülerinnen beobachten ihre unmittelbare Umgebung, erfassen Umweltdaten und geben diese übers Internet in die zentrale GLOBE-Datenbank ein. Mit der Auswertung dieser Daten und beim Austausch mit anderen Schulen lernen sie die Umwelt verstehen und knüpfen Kontakte zu Klassen aus aller Welt. Lehrerinnen und Lehrer führen ihre Klassen in standardisierte Messmethoden ein. Sie helfen ihnen, die Bedeutung ihrer Messungen zu verstehen und führen mit ihnen globale Vergleiche mit den erhaltenen Daten durch. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen analysieren und verwerten die Daten zusammen mit Informationen aus anderen Quellen. Sie stehen den Schulen für Gespräche zur Verfügung.

GLOBE ist vielsprachig. Es bietet über das Messprogramm hinaus eine Plattform für Projekte aus den meisten Unterrichtsbereichen. GLOBE hat Angebote für die Primar- und die beiden Sekundarstufen und ermöglicht die freie Wahl der GLOBE-Themen. Unterrichten mit GLOBE heisst

  • bewährte Lerninhalte neu präsentieren
  • projekt- und themenorientiert arbeiten
  • das Internet sinnvoll und pädagogisch durchdacht in den Unterricht einbeziehen
  • an neuen Kommunikationsformen teilnehmen
  • Selbstständigkeit und Wahrnehmungsfähigkeit fördern
  • wissenschaftliche Denk- und Arbeitsweisen einüben
  • über den nationalen Horizont hinaus globale Aspekte einbeziehen
  • den Nachhaltigkeitsgedanken aufnehmen, entwickeln und weitertragen

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Pädagogische Einordnung von GLOBE
GLOBE ist ein Programm für Umwelt, Naturwissenschaft und Erziehung und fördert in verschiedenen Dimensionen aktuelle Bildungsforderungen:

  1. Bildung im naturwissenschaftlich-technischen Bereich: regelmässige Beobachtungen, Messung lokaler Umweltfaktoren, weiterführende Experimente, Interpretation lokaler und globaler Resultate.
  2. Bildung in den Informationstechnologien: Internetnutzung, Dateneingabe in zentrale Datenbank, Kommunikation weltweit mit Schulen und Wissenschaftlern.
  3. Umweltbildung: intensive Auseinandersetzung mit der lokalen Umwelt, kritische Analyse und Einordnung der Umweltdaten, emotionale Bindung und Verantwortung der eigenen Umwelt, Stimulierung einer weitergehenden Reflexion der Mensch-Umwelt-Beziehung.
  4. Kooperation zwischen Aussenwelt und Schulwelt: Kontaktmöglickeiten zwischen Wissenschaft, Schule und Öffentlichkeit durch wissenschaftliche Aus- und Verwertung der Schülerdaten, Wissenschaftschats im Internet und lokale Öffentlichkeitsarbeit.
  5. Bildung für eine nachhaltige Entwicklung: Die ausgewählten Themenbereiche, die erforderliche Ausdauer zur Erhebung der regelmässig einzuholenden Umweltdaten, das wider den Zeitgeist hartnäckige "am Ball bleiben" sowie die Möglichkeit globaler Vergleiche und Kommunikation mit anderen Schulen sind eine gute Grundlage zur Reifung der Einsicht, dass wir Menschen nur schonend und massvoll in die Natur eingreifen und sie nutzen können, soll sie uns und den nachfolgenden Generationen intakte, gesunde Lebensräume bieten.

Wie sauber ist der Rhein bei Trübbach? Das GLOBE-Programm
verlangt genaues und ausdauerndes Beobachten der schulnahen
Umwelt
(Foto: W. Keller, Fontnas).


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Das Potenzial von GLOBE
Neben den bereits erwähnten Kernkompetenzen im aktuellen Bereich der Informationstechnologien, den immer noch und zukünftig noch wichtigeren Umweltbildungsbemühungen, den nach der Phase der postmodernen Curriculumbeliebigkeit (1990 - 2005) vermehrt wieder notwendigen disziplinierten Grundausbildung im Bereich Naturwissenschaft/Technik ist auch das globale Lernen zu erwähnen.

Globales Lernen kann als pädagogische Antwort auf den Globalisierungsprozess definiert werden. Es befasst sich mit den globalen Hauptbrennpunkten unserer Zeit, d.h. den grossen Bedrohungen für die Zukunft unseres Planeten und der menschlichen Gesellschaft. Die kennzeichnenden Lernprozesse umfassen etwa (nach ZEMP, 2000):

  • Kenntnisse: Lernen, die globalen Zusammenhänge unseres heutigen Lebens zu verstehen
  • Fähigkeiten: Lernen, wie die gewonnenen Kenntnisse in aktives Handeln umgesetzt werden können
  • Werte: Lernen, an ausgewählten Themen selbst erarbeitete Werteinstellungen zu entwickeln.

GLOBE bietet hier geradezu eine ideale Startbasis. Globales Lernen und Internet-Didaktik gehören auch an eine Pädagogische Hochschule und bilden zukünftige Kernaufgaben der Berufsausbildung angehender Lehrpersonen.

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Schüler der Oberstufe Seidenbau, Wartau untersuchen im Rahmen
des GLOBE-Hydrologie alle 14 Tage den Rhein bei Trübbach.
(Foto: W. Keller, Fontnas).



PHS und GLOBE
Die PHS hat den Start der GLOBE-Aktivitäten ermöglicht, indem sie am 5./6. Juni 1998 ein dreiköpfiges Team aus Deutschland empfing und die intensive zweitägige Grundausbildung der 15 GLOBE-Pilotschulen durch infrastrukturelle und tatkräftige personelle Unterstützung mitgestaltete. Zwei Studenten des 4. Semesters warfen im Rahmen ihrer Semesterarbeit "GLOBE - ein weltweites Internetprojekt" einen kritischen Blick auf GLOBE-Schulen im Bodenseeraum. Im Herbst 1998 wurde der designierte CH-Ausbildungsleiter in einem einwöchigen intensiven internationalen Trainingsprogramm vom US-GLOBE-Team in die Methoden des GLOBE-Projekts eingeführt und als Trainer "lizensiert". Bereits am 28./29.11.1998 wurde in Eigenregie die Schlussausbildung im Pilotkurs zum Thema Boden und Phänologie sowie ein erster Erfahrungsaustausch realisiert. Der erste selbstständige schweizerische Ausbildungskurs zu allen GLOBE-Themen fand am 5.-7. August 1999 mit 28 Teilnehmern aus ebenso vielen Schulen statt. Der Kurs wurde gemäss den drei vertretenen Schulstufen (Mittelstufe Primarschule, Sekundarschulstufe, Gymnasialstufe) teilweise differenziert konzipiert. Die umfangreichen Versuchsbeschreibungen des GLOBE-Handbuches wurden zu präzisen, feldtauglichen Kurzanleitungen für die Lehrkräfte umgestaltet. Parallel zu diesen Aktivitäten wurden ergänzende Versuche zur Abrundung der GLOBE-Messungen im Bereich Wasserhygiene in Bearbeitung genommen sowie Probleme bei der Bodenanalytik und Bestimmung des Säuregrades im Regenwasser angegangen. Eine Bibliothek zu den relevanten GLOBE-Themen wurde aufgebaut, Zusatzmaterialien für eine attraktivere Ausbildung wurden angeschafft und ausgetestet, ein eigener Internetauftritt zu Themen der Ausbildung verwirklicht und bestehendes Ausbildungsmaterial verbessert (z.B. Wetterkarte für Schulen).


Die Dienstleistungen der PHS für GLOBE umfassen:

  • Ausbildung von Lehrkräften aller Stufen (Primar-, Sekundar- und Gymnasialstufe) für das GLOBE-Projekt
  • Organisation stufenangepasster Ausbildungskurse in allen GLOBE-Kernthemen (Atmosphäre/ Klima, Wasser, Vegetation und Boden)
  • Beratung von Lehrkräften in methodischen und wissenschaftlichen Fragen
  • Verbesserung der Versuchsanleitungen und Entwicklung eigener ergänzende Versuche für die Schweiz
  • Ausleihe von Lehrmitteln und GLOBE-Materialien
  • Pflege von Kontakten zur Wissenschaft und Organisation wissenschaftlicher Exkursionen und Tagungen


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Stärken und Schwächen von GLOBE
Das GLOBE-Projekt in der jetzigen Form ermöglicht vielerorts einen lehrplankonformen Einbezug in den Unterricht, liefert ausführliche Informationen zu den einzelnen Umweltaktivitäten inklusive ausgefeilte didaktische Umsetzungsanleitungen zu allen Themenbereichen. Der Internetauftritt von GLOBE-International mit den zahlreichen Möglichkeiten der Dateneingabe und Datenaufbereitung und zahlreichen Hilfeleistungen lässt kaum Wünsche übrig. Es gibt momentan kein anderes vergleichbares weltweites (oder auch "nur" internationales) Programm, das eine annähernd ähnlich ausgeklügelte Infrastruktur zur Verfügung stellt. Schulklassen, die bereits über längere Zeit GLOBE-Aktivitäten in ihren Unterricht einbeziehen, beginnen den Reiz und das Aussagepotential kontinuierlicher Messreihen zu erkennen, entwickeln eine geschärfte Umweltwahrnehmung sowie ein Gefühl der Zuständigkeit.
Der Reformeifer im schweizerischen Bildungswesen lässt auf der anderen Seite in manchen Lehrkräften das Gefühl der Überforderung aufkommen. Die bereits vollen Lehrpläne und die zusätzlichen zeitintensiven Anforderungen an die Lehrpersonen verkraften kaum "neue" Zusatzaktivitäten. Die wünschenswerte Messkontinuität und eine evtl. aufkommende Routinemonotonie sind weitere Erschwernisse, die Lehrpersonen von einem aktiven GLOBE-Einstieg abhalten. GLOBE ist zudem in der jetzigen Form zu stark rein naturwissenschaftlich orientiert; andrerseits sind bei Einbezug sozio-ökonomischer Dimensionen häufig Schüler wie auch Lehrpersonen schlicht überfordert.

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Zukunft und GLOBE
GLOBE ist ausbaufähig in thematischer wie pädagogischer Hinsicht. Wichtige und attraktive Themen wären etwa Fragen rund um die Luftbelastung (Schadstoffe wie Ozon, UV-Strahlung), Lebewesen als Zeiger der Umweltqualität (Biondikation am Beispiel der Fliessgewässer) oder die Umwelthygiene (Bsp. Wasserkeimzahlen). Auswertungshilfen, die auf den schweizerischen Kontext Bezug nehmen, müssten ausgearbeitet werden.
Vermehrt müsste auch aufgezeigt werden, wie GLOBE in den Unterricht an schweizerischen Schulen ohne grosse zeitliche und materielle Zusatzbelastung integriert werden kann. GLOBE ist auf die Dauer für Schüler nur attraktiv, wenn sie dahinter einen Sinn sehen, wenn sie Spass an Programm haben: dies ist nur möglich, wenn GLOBE in ein Gesamtprojekt eingebettet wird, wenn die kommunikativen Möglichkeiten mit Partnerschulen auch für andere Themenbereiche als nur die Umwelt genutzt wird.
Anstelle von GLOBE-Klassen muss die Idee von GLOBE-Schulen propagiert werden, d.h. mehrere Lehrer der gleichen Schule stehen hinter der GLOBE-Idee und bauen sie gemeinsam auf. Der Gedanke der Nachhaltigkeit müsste für die Schulsituation gedanklich vertieft und an konkreten Unterrichtsmodellen aufgezeigt werden.

Schwierigkeiten ergaben sich leider in der Zusammenarbeit mit der Landeskoordination, welche neben administrativen Aufgaben auch für die Finanzierung (BUWAL, Sponsoren) verantwortlich ist. Es ist nicht einzusehen, wieso die nicht ganz billige GLOBE-Ausbildung* selbsttragend sein soll (ausführliche Kursunterlagen, Materialkosten, Kursleiterhonorare u.a. belaufen sich auf ca. 450 Fr.) und zusätzlich, nach neuesten BUWAL-Vorstellungen, gar noch die Amortisation der durch das BUWAL angeschafften Geräte erwirtschaften soll, wird doch das ganze Leistungspaket der PHS rund ums Jahr gratis erbracht im Gegensatz zur Tätigkeit der Landeskoordination!


*Nachtrag 30.11.2001: Eine weitere Zusammenarbeit mit der GLOBE-Landeskoordination und dem BUWAL war infolge einseitig nicht eingehaltener Abmachungen und höchst unkooperativem Verhalten seitens eines Landeskoordinators nicht mehr möglich. Die Ausbildung und der Einsatz für das GLOBE-Programm wurde deshalb Ende 2001 an der PHS eingestellt.

P.S. Ein "Preisvergleich" zeigt die neue Situation:
- Kostenpunkt der 3-tägigen Vollausbildung an der PHS ins GLOBE-Gesamtprogramm mit zahlreichen zusätzlichen attraktiven Versuchen (vgl. Kursprogramm): Fr. 400.-
- Kostenpunkt der neuen 1/2-tägigen Miniausbildung (sog. Basiskurs): Fr. 150.-.

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Kontakte:
GLOBE Ausbildung: www.phs.unisg.ch/fachinfos/biologie/ (Rubrik: GLOBE Kt. SG)
GLOBE International: www.globe.gov
GLOBE Schweiz: www.globe-swiss.ch
GLOBE Schule als Beispiel: Gymnasium Bäumlihof

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Anfrage/Anregungen:
Kurt.Frischknecht@unisg.ch