![]()
GRUNDPRAKTIKUM SI + SII |
|
|
1. Lassen sich in der Luft überhaupt Mikroorganismen nachweisen?
Luft ist auf Grund ihres geringen Wassergehaltes und des Mangels an Nährstoffen kein geeignetes Medium für das Leben im allgemeinen noch für die Mikroorganismen im speziellen. Sie ist aber nicht keimfrei, sondern in ihr schweben zahlreiche Bakterien und Pilzsporen, die zu einem grossen Teil Staubpartikeln anhaften können. Eine starke Verunreinigung der Luft durch Staubteilchen ist daher meist von einem hohen Gehalt an Mikroorganismen begleitet. Infolge der Luftbewegung können diese in der Regel winzigen Organismen über weite Strecken transportiert werden. Da sich unter ihnen auch Krankheitserreger befinden, kann die Luft eine Infektionsquelle für Mensch, Tier und Pflanze sein.
In Luftschichten über Wäldern, Seen und Gebirgen ist die Anzahl der Mikroorganismen relativ niedrig. Der geringe Keimgehalt wird in diesen Gegenden durch staubarme Luft und einen hohen UV-Anteil der Strahlung bedingt. Im Gegensatz dazu liegt der Mikroorganismengehalt über und in Städten, aber auch im Inneren von Gebäuden beachtlich hoch. Hygienische Massnahmen müssen darauf gerichtet sein, die Staubmenge in der Luft zu vermindern. Das kann erreicht werden durch Besprengen von Strassen und Plätzen und in Räumen durch gründliche Nassreinigung, häufiges Lüften, die Anwendung von Raumspray und ähnlichem.
Mit diesem einfachen Versuch sollen einerseits die Mikroorganismen der Luft eingefangen und charakterisiert werden (quantitativ: wieviele und wo hat es? qualitativ: gibt es verschiedenartige Mikroorganismen? Sind sie u.U. an die Bedingungen des "Lebensraumes Luft" angepasst? Andererseits soll der Hygiene beim Arbeiten mit Nährbodenplatten und der Verminderung der Keimzahlen die besondere Aufmerksamkeit gelten.
| Glaswaren/Geräte/ andere Materialien |
Verbrauchs- material |
Chemikalien | Biologische Objekte |
| Timer (0-60 min), evtl. Brutschrank, Lupe oder Stereomikroskop, evtl. Impföse,Taschenrechner, mm-Massstab |
wasserfester Faserschreiber |
sterile Petrischalen (d = 85 mm), Bakteriennährboden (NA), Pilznährboden (PA), Wasserzerstäuber mit ausgekochtem Wasser, Desinfektionsmittelspraydose |
Mikroorganismen der Luft an verschiedenen Standorten (Räume, Freiland, Wald, vielbefahrene Strasse, Schulzimmer vor/ nach Unterrichtsstunde, vor/ nach Lüften, vor/nach Zerstäuben von Wasser, u.a. |
Die Nährbodenplatten werden gut beschriftet. Bei jedem Versuch wird angegeben: Datum, Name, Experiment, Nährbodenart (NA oder PA), Aufstellungsort und evtl. -höhe, Dauer der Exposition.
Grundversuch: Am Untersuchungsort werden die Petrischalen mit den Nährböden geöffnet und je eine Bakterien- und eine Pilzagarplatte nebeneinander aufgestellt. Die Öffnungsdauer hängt ab von der zu erwartenden Keimzahl. An ruhigen, staubfreien und wenig begangenen Orten bleiben sie 60 Minuten, an staubigeren Orten 30 Minuten, im Freien bei trockenem, windigem Wetter 5 bis l0 Minuten geöffnet stehen.
Zusatzversuch: Über einer geöffneten Nähragarplatte wird kräftigmit dem Kopfhaar geschüttelt, oder es wird mit beiden Händen kräftig über der Agarplatte gerieben.
2.2.2. Schulzimmer/Schullabor/Schulhaus
Wo im Schulzimmer/-Labor oder Schulhaus gibt es besonders keimbeladene, wo besonders keimarme Orte? Die Resultate könnten Ihnen Hinweise bez. günstiger Standorte zum Giessen von Nährböden geben!
Vergleichen Sie die Luftkeimzahlen an einem ausgewählten Ort vor und nach dem Besprühen der Luft mit einem feinen Wasserspray bzw. Desinfektionsmittelspray!
2.3. Bebrütung der Fangplatten
Nach der Expositionszeit werden die eingesammelten Nährbodenplatten verkehrt herum (kopfstehend) bebrütet: Bakterienagar 24 Std. bis 48 Std. bei Raumtemperatur (bzw. bei 25 °C bis 28 °C im Brutschrank), Pilzagar 3 bis 4 Tage bei Raumtemperatur (bzw. 28 °C bis 30 °C). Das Umdrehen der Platten ist erforderlich, weil durch Schwitzwasser, welches vom Deckel auf die Agaroberfläche tropft, die Kolonien zusammenlaufen und die Platten nicht auswertbar sind.
Nach der Bebrütung sind auf den Fangplatten Kolonien entstanden, die gezählt werden. Das geschieht am besten so, dass man mit einem Faserschreiber auf dem Glas der Bodenplatte die gezählten Kolonien kennzeichnet. Sehr kleine Kolonien können bei Lupenvergrösserung oder unter einem Stereomikroskop gezählt und mit der Impföse durchgestrichen werden. Der Keimgehalt wird berechnet je Stunde und Fläche (z.B. 1 m2 [der Petrischalen-Durchmesser beträgt in der Regel 85 mm!]).
1: Man beachte die qualitativen Unterschiede auf den parallel aufgestellten Bakterien- und Pilzagarplatten! Wattige Kolonien, deren Myzel mehr oder weniger erhaben ist, sind Schimmelpilze.
2: Eine weitere Beobachtung der Platten über mehrere Tage wird dies bestätigen, wenn die Myzelien Sporen bilden. Kolonien, die dem Nährboden fest anliegen, sind meist Bakterien. Jedoch wachsen Hefen ähnlich. Erst die mikroskopische Betrachtung gibt darüber näher Auskunft.
Die Ergebnisse aller ausgezählten Platten werden tabellarisch zusammengefasst und auf einer Kopie der Protokollvorlage (siehe Experiment "Anzucht von Mikroorganismen") festgehalten.
Bakterienagar
Pilzagar
Keimzahl (KBE)
Keimzahl (KBE)Bakterien
Pilze
© PHS/K. Frischknecht 15062000/v1.1